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Offenheit und Authentizität

Erzieherin Julia Schreieder spricht über Ängste im Kindergarten-Kontext


Liebe Julia, du bist Erzieherin in einer KiTa und bist täglich mit verschiedensten Gefühlen deiner Schützlinge konfrontiert. Was ist deiner Meinung die häufigste Angst, die uns in Kindergärten / Kindertagesstätten begegnet?

Ich finde die Frage nach der häufigsten Angst im Kindergarten lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Kinder in ihren individuellen Entwicklungs- und Gruppenphasen mit unterschiedlichen Ängsten zu kämpfen haben.

Beispielsweise ist bei einem Kind, das frisch mit der Eingewöhnung begonnen hat oder die Einrichtung noch nicht lange besucht, häufig Trennungsangst zentral.

Wenn das Kind sich in der Kita eingelebt hat, können es ganz andere Ängste beschäftigen. Beispielsweise soziale Ausgrenzung oder Verletzungen.

Natürlich können auch Ängste präsent sein, die die Kinder von außen, also aus ihrem Umfeld, mitbringen. Themen wie Verlustängste, Monster unter dem Bett, Angst vor Kindersendungen und vieles mehr können die Kinder mit in die Einrichtung begleiten und auch dort für sie eine Rolle spielen.


Wie gehst du mit deinem pädagogischen Hintergrund im besten Fall mit Ängsten um?

Wenn die Kinder mit ihren Ängsten zu uns kommen, ist es wichtig, dass sie bei uns ein offenes Ohr finden und sich ernst genommen fühlen.

Nicht nur weil wir ihnen dadurch ein Stück Sicherheit geben können, mit der Angst nicht alleine gelassen zu werden, sondern auch, um gemeinsam nach Lösungen suchen zu können.

Dabei meine ich nicht das Kleinreden oder Ablenken von der Angst, sondern eher das Akzeptieren der Gefühle und das Handeln mit Blick auf die individuelle Situation des Kindes.

Für uns müssen die Lösungsstrategien der Kinder keinen Sinn ergeben, wir können Ihnen nur dabei helfen, sie bestmöglich umzusetzen und sie dabei begleiten.


Hand aufs Herz: Lässt sich das im Alltag der Erzieher und Erzieherinnen immer so umsetzen, wie sie gerne wollen?

In der Praxis ist das manchmal gar nicht so leicht zu verwirklichen. Oft kommt der Alltag mit Zeitdruck oder Personalmangel dazwischen, sodass ich es nicht sofort schaffe, auf die Situation so einzugehen, wie ich es gerne würde. Des Weiteren wachsen die Gruppengrößen, in denen die Kinder betreut werden. Dies hat zufolge, dass immer weniger Zeit für das einzelne Kind bleibt.


Was können wir Eltern (und natürlich auch andere nahe Bezugspersonen) tun, um Kinder im ihren Ängsten zu begleiten, die mit dem Kindergarten aufkommen?

Diese Frage finde ich, lässt sich wieder nicht ganz pauschal beantworten, da es keine Formel gegen Angst, gibt die jedem Kind gleichermaßen hilft. Wichtig ist dabei immer, individuell auf das eigene Kind einzugehen und nicht aufzugeben und weiter auszuprobieren, wenn etwas nicht so funktioniert wie erhofft. Manchmal gibt es für Ängste auch ganz simple Methoden, die Eltern anwenden können, um ihr Kind auch in der Kita durch solche Situationen zu begleiten:

Bei Trennungsängsten können die Eltern beispielsweise Gegenstände, die für die Kinder von sentimentaler Bedeutung sind (zum Beispiel Kuscheltiere) als Sicherheitsanker mit in die Kita geben. Diese können ihnen in Übergabesituationen, zusätzlich zu dem pädagogischen Personal, Halt geben. Mit älteren Kindern könnten Armbänder gebastelt werden, die sich Eltern und Kind teilen, um ihnen ein Stück Verbundenheit mitzugeben.

Wenn die Kinder sich vor sozialen Kontakten oder Auseinandersetzungen fürchten, kann versucht werden mit ihnen an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Nur ein Kind, dass sich als Selbstwirksam erlebt und dem der Freiraum gegeben wird sich auszutesten, kann auch Selbstbewusstsein aufbauen. Ebenso können Playdates mit einzelnen Familien den Kindern helfen, besser mit ihren Ängsten zurecht zu kommen. Da sie so die Möglichkeit haben in einem kleinen geschützten Rahmen, mit der wichtigsten Bezugsperson (einem Elternteil), positiven Kontakt zu anderen Kindern aufbauen können.



Die abschließende Frage, die jede/r meiner Interviewpartner/innen erhält: Was ist deiner Meinung nach das wichtigste im Umgang mit kindlicher Angst?


Ich denke, das Wichtigste im Umgang mit der kindlichen Angst ist offen mit ihnen darüber zu sprechen und dabei auch ganz authentisch zu bleiben. Wir müssen den Kindern nicht vorspielen, selbst Superhelden zu sein, die immer mutig und tapfer sind, sondern wir dürfen ihnen auch vermitteln, dass wir genau wie sie unsere Ängste und Zweifel haben und dass das ganz normal ist.

Je jünger die Kinder sind, desto schwerer fällt es ihnen, ihre Ängste in Worte zu fassen. Da kann sich Angst beispielsweise auch durch körperliche Symptome äußern wie zum Beispiel durch Bauchschmerzen. Deshalb ist es wichtig, feinfühlig auf nonverbale Signale zu achten.








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